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Die steuerliche Behandlung von Verlusten im Rahmen des Handels mit Binären Optionen

Bislang konnten die Trader von Binären Optionen steuerliche Verluste allenfalls durch ein gesondertes Klageverfahren vor den Finanzgerichten geltend machen. Dass der Gewinn aus solchen Derivaten zu versteuern ist, steht außer Frage. Hatte der Anleger Verluste eingefahren, tangierte dies den Staat bisher wenig bis gar nicht. Klar ist, wer Investitionen tätigt, die ihrer Natur nach bereits äußerst risikobehaftet sind, muss auch damit rechnen, Verluste, im äußersten Fall sogar Totalverluste zu verkraften.

Ein kurzer Rückblick in die Geschichte

Mit dem aufkeimenden Boom im Finanzgeschäft sah sich der Fiskus geradezu genötigt, am ertragreichen Geschäft teilhaben zu wollen. Innerhalb von kurzer Zeit wurden gesetzliche Grundlagen geschaffen, denen u. a. auch die heute erfolgreichen Binären Optionen zu unterliegen schienen. Bereits im Jahr 1999 hat sich der Bundesfinanzhof mit der steuerlichen Behandlung von spekulativen Finanzmarkt-Termingeschäften auseinandergesetzt und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass bei hochriskanten Termingeschäften von einer unternehmerischen Strategie auszugehen ist. Auf Binäre Optionen angewendet bedeutet dies, dass es sich hierbei im steuerrechtlichen Sinne nicht um Glücksspiele handelt, soweit so gut. Diese Entscheidung in allen Ehren, führt sie jedoch dazu, dass sich die Materie aufgrund einer nunmehr relevanten steuerlichen Einordnung nicht mehr viel einfacher gestaltet.

Aktuelle Lösungsansätze

Der BFH hat sich der aus Sicht der Anleger offenen Fragestellung zur Behandlung der eingefahrenen Verluste angenommen, weil mit dem Einzug der Binären Optionen in den Finanzhandel seit langer Zeit diesbezüglich Uneinigkeit zwischen Tradern und der Finanzverwaltung herrschte. Dabei sind besonders Hebelprodukte, wie Knock-out-Produkte in den Fokus der Behörden gerückt. Mit diesen Papieren können Anleger überproportional an dem steigenden oder fallenden Kurs teilhaben. Die damit einhergehenden Gewinnchancen werden jedoch aus ihrer Verankerung gerissen, sofern die Spekulation „in die Hose geht“, mit der Folge, dass der Totalverlust greifbar und erlebbar wird.

Im Ergebnis betrachtet ist die unterschiedliche steuerliche Behandlung von Gewinnen und Verlusten im Derivatehandel unausgegoren und entbehrt sogar jeglicher Grundlage. Der BFH hat zugunsten der Anleger entschieden, dass der Verfall einer Option wie ein Verkauf zu beurteilen und als Verlust angesehen werden muss (BFH, IX R 50/09; IX R 12/11). Mit dieser richtungsweisenden Entscheidung wurde jedoch der Nerv der Finanzverwaltung äußerst gereizt. Denn wer nun dachte, es sei eine seit langem fällige Entscheidung getroffen und die Problemlage unter steuerrechtlichen Gesichtspunkten aus dem Weg geräumt, hat seine Rechnung ohne die Steuerverwaltung gemacht. Mit Erlass vom 27.03.2013 hat diese nämlich die Geltung der Rechtsprechung des BFH für die Jahre ab 2009 gänzlich ausgehebelt.

Ohne auch nur eine Begründung dafür zu liefern, stellt die Finanzverwaltung darauf ab, dass mit dem Zeitalter der Abgeltungssteuer neue rechtliche Grundlagen geschaffen wurden, die es erfordern, Derivategeschäfte aus einem neuen, anderen Blickwinkel zu betrachten, als dies der BFH noch im Jahr 2009 vorsah.

Der Deutsche Derivate Verband (DDV) sieht die Anleger in seinen Rechten beschnitten, er ist – wie viele betroffene Trader auch – der Ansicht, dass die BFH-Rechtsprechung auch auf das neue Recht ab 2009 anwendbar sei.

Bei vernünftiger Betrachtung erscheint es auch überhaupt nicht logisch, weshalb aus einem Finanzgeschäft

  • Gewinne steuerrechtliche Berücksichtigung finden dürfen,
  • Verluste aber gänzlich unberücksichtigt bleiben sollen.

Bei dieser Betrachtungsweise zwingt sich der Anschein auf, frei nach dem Motto „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“ eine Schublade zu öffnen und ohne Berücksichtigung des Einzelfalls Gesamturteile zu fällen.

Hat der Trader Binärer Optionen nun Verluste oder gar Totalverluste in den Jahren ab 2009 „erwirtschaftet“, wird es ihm – sofern nicht bereits ein Verjährungstatbestand erfüllt ist – nicht anders möglich sein, eine steuerliche Beachtung durch die Beschreitung des Rechtsweg zu erlangen. Führt man sich jedoch vor Augen, dass ein solches Verfahren je nach Höhe des Verlustes Anwalts- und Gerichtskosten entstehen lässt, die – nachdem man es nach Jahren nun endlich zum BFH geschafft hat – letztlich die eigentlichen Verlustpositionen übersteigen, entpuppt sich dieser Weg letztlich doch als recht unsympathisch. War man in der Vergangenheit als Trader aufmerksam und hat – noch bevor ein Verlust entstanden ist – den Optionsschein zu einem symbolischen Preis von z. B. 0,1 Cent verkauft, so hat das Bundesministerium für Finanzen auch hier zwischenzeitlich einen Riegel vorgeschoben. Es unterstellt diesem Geschäftsgebaren einen Gestaltungsmissbrauch (IV C1 – S 2252/10/10013).

Anrechenbare Verluste

Ein Verlust soll erst dann anrechenbar sein, „wenn der erzielte Börsenpreis beim Verkauf des nahezu wertlosen Papiers über den Transaktionskosten liegt. Da sich die Transaktionskosten jedoch bei den online Brokern, Direktbanken und Kreditinstituten erheblichen voneinander unterscheiden, kann der eine Trader hierdurch Vorteile erlangen bis hin zur steuerlichen Berücksichtigung, der andere Anleger kann – so gesehen als Strafe dafür, dass er sich den falschen Handelspartner ausgesucht und evtl. auf Optionen wie Sicherheit gesetzt hat – in die Röhre schauen.

Auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind gerichtliche Verfahren anhängig, die auf die Ungleichbehandlung abstellen und vermögen, eine endgültige Klärung herbeizuführen. Bis hierüber eine allgemeingültige höchstrichterliche Entscheidung getroffen worden ist, bleibt jedoch abzuwarten, wie die untergeordneten Finanzgerichte über die Fälle entscheiden. Da das Steuerrecht im Allgemeinen einer ständigen Neuanpassung und Umstrukturierung unterworfen ist, erscheint es schwierig, hier eine Leitsatzentscheidung zu etablieren.

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